Ein wichtiges Ziel stellte die rechtliche Gleichstellung der Juden in Europa dar: Bürgerrechte sollten nicht länger von der religiösen Zugehörigkeit abhängen. Doch allein dieses Bestreben löste ein grundlegendes Dilemma aus: Wie kann man zugleich jüdisch bleiben und vollständig an der modernen europäischen Gesellschaft teilnehmen? 1783 brachte Issac Euchel, einer der zu Unrecht vergessenen jüdischen Aufklärer und Schüler Kants in Königsberg, mit der Gründung der deutsch- hebräischen Zeitschrift „Hameassef – Der Sammler“ eine Kulturrevolution ins Rollen.
In diesem Vortrag stellt Saskia Klemp die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Untersuchung ausgewählter Artikel, die im „Hameassef“ veröffentlicht wurden, vor und ordnet diese in den Kontext der Aufklärung und der jüdischen Geschichte bis in die Gegenwart ein. Den Weg den Mendelssohn, Euchel und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter eingeschlagen haben, führte zur Gestaltung öffentlicher Meinungen und zu einer bahnbrechenden religiösen, gesellschaftlichen Erneuerungsbewegung, die kritische Fragen zum Platz des Judentums im modernen Europa stellte, das Lager der liberalen Juden bildete, aber auch einen Kulturkampf mit den Vertretern der traditionellen Elite provozierte.