© Guido Wagner

Basilika Morsbach

Wo Napoleon das Kreuz Jesu trägt

Geheimnisse der Basilika St. Gertrud in Morsbach

Die Morsbacher Pfarrkirche St. Gertrud steckt voller Geheimnisse – und Menschen, die man nie in einem katholischen Gottes- haus im tiefsten Oberbergischen erwartet hätte. Oder wer hätte gedacht, dass Napoleon Bonaparte höchstpersönlich in der aus dem Mittelalter stammenden Kirche zu finden ist?
 
Als ältestes Gebäude der Gemeinde Morsbach geht die St.-Gertrud-Kirche zurück auf eine erste Kapelle aus Holz, die Missionare des Bonner Cassiusstiftes im 9. Jahrhundert auf einer Felskuppe oberhalb des morastigen Talbodens gebaut hatten. Die heutige spätromanische Emporenbasilika mit einem als Wehrturm errichteten 31 Meter hohen Kirchturm entstand zwischen 1150 und 1250. In der um 1350 angebauten Sakristei sind zwischen Decke und Wand acht unterschiedliche Gesichtsmasken zu sehen. Ihre Identität liegt im Dunklen, möglicherweise handelte es sich um Geistliche oder um Gönner, die zur Instandhaltung der Kirche im Mittelalter beitrugen. 

1954 und 1955 hat man im Chorraum längst in Vergessenheit geratene Freskomalereien aus der Erbauungszeit entdeckt und wieder freigelegt. Stets zu sehen und doch nicht unbedingt zu erkennen ist eine Figur auf dem 14 Stationen umfassenden Kreuzweg, dem Ältesten dieser Art im Erzbistum Köln. Auf Station 5 des auf Holztafeln gemalten Kreuzwegs ist im rechten Seitenschiff ein Mann mit Dreispitz abgebildet, der Jesus beim Tragen des Kreuzes hilft.
 
Wie Christoph Buchen in seinem Kirchenführer auf der Basis alter Aufzeichnungen darlegt, soll es sich dabei um Napoleon Bonaparte handeln. Der unbekannte Maler des Kreuzwegs hat damit dem französischen Kaiser und Feldherren offenbar die Rolle des Simon von Cyrene übertragen, der der biblischen Überlieferung zufolge Jesus half, das schwere Kreuz zu tragen.
 
Als das Kreuzweg-Bild um 1820 angefertigt wurde, war es keine drei Jahrzehnte her, dass Napoleon das Rheinland erobert und dort Klöster und Kirchen aufgelöst und enteignet (säkularisiert) hatte. Zwischen 1803 und 1806 wurde diese Säkularisierung auch auf die rechtsrheinischen.

Teile des alten Erzbistums Köln und damit auf das Oberbergische angewendet. Neben religionsfeindlichen Bestrebungen verfolgte Napoleon auch ganz weltliche Ziele: Durch den Verkauf des enteigneten kirchlichen Besitzes kam Geld in die durch seine Feldzüge arg gebeutelte Staatskasse. Der Maler des Kreuzwegs mag Napoleon nach dessen endgültiger Niederlage 1815 in der Schlacht bei Waterloo zur Strafe dazu verpflichtet haben, das Kreuz Jesu als schwere Last mitzutragen.
 
Gut verbinden lässt sich ein Besuch der Basilika St. Gertrud mit einer Wanderung auf dem Baumweg, einem der 24 Themen- wege (Bergische Streifzüge) des Bergischen Wanderlands. An der Südseite der Kirche befindet sich die siebte Infotafel (G) des 6,5 Kilometer langen Rundwegs.

Anfahrt: Parkplätze gibt es direkt an der Kirche St. Gertrud, Heinrich-Halberstadt-Weg 7,
51597 Morsbach. Start und Ziel des Baumwegs, der an der Kirche St. Gertrud vorbeiführt,
ist auf dem Parkplatz hinter dem Morsbacher Rathaus.
Infos:www.katholisch-mfw.de
www.bergisches-wanderland.de/bergischestreifzuege/alle-streifzuege/24-baumweg-morsbach-65-km

Diesen und weitere Texte finden Sie in der Broschüre "Bergische Orte" vom Naturpark Bergisches Land.

Kontakt

Basilika Morsbach
Heinrich-Halberstadt-Weg 7
51597 Morsbach

Zweckverband Naturpark Bergisches Land
Moltkestraße 26
51643 Gummersbach

Tel.: +49 22 61 / 9163100
E-Mail:
Webseite: www.naturparkbergischesland.de

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