© Sammlung Jendrischewski

Herzhoffsgasse

Einblicke in eine versunkene Welt

Aussichtspunkt Herzhoffsgasse oberhalb der Großen Dhünntalsperre

Abrupt endet die breite Straße, die einst von Wermelskirchen-Grunewald nach Kürten- Eisenkaul führte, seit mehr als drei Jahr- zehnten an einem Zaun. Ein guter Teil der Straße steht unter Wasser, seitdem Mitte der 80er-Jahre die Große Dhünntalsperre geflutet wurde, die mit 81 Millionen Kubikmetern Deutschlands zweitgrößte reine Trinkwassertalsperre ist. Aus ihr werden rund eine Million Menschen im Bergischen Land sowie im Notfall auch die Landeshauptstadt Düsseldorf mit Trinkwasser versorgt. 28 Dörfer und Weiler wurden vor dem Bau der Großen Dhünntalsperre (1975–1985)

ganz oder teilweise abgetragen, 210 Bewohner des Dhünntals mussten das Tal verlassen. Sie erhielten Entschädigungen oder Ersatzgrundstücke außerhalb des Tals, in dem bereits von 1960 bis 1962 eine erste kleinere Talsperre gebaut worden war (heutige Vor- sperre Große Dhünn). Deren Staudamm sowie einen Einblick in die versunkene Welt des Dhünntals können Wanderer am Aussichtspunkt Herzhoffsgasse entdecken. Zu erreichen ist er in einer knappen halben Stunde vom Wanderparkplatz Dahl. Dieser liegt an der einstigen Straße zwischen Grunewald und Eisenkaul nördlich der Talsperre.

m Aussichtspunkt laden ein Landschaftssofa, eine Sitzgruppe mit Tisch und ein Unterstand zum Verweilen ein. Durch ein kleines Fenster einer sogenannten „Zeitstele“ kann man die Talsperre sehen und das, was sich vor ihrem Bau im Tal befand. Denn auf der Glasscheibe sind der Ort Doktorsdhünn, die nahe Schule und eine Pelztierfarm einge- zeichnet. Außerdem ist die Straße zu sehen, die heute an der Wasserschutzzone 1 endet und die im Tal durch Doktorsdhünn führte.
 
Ursprünglich war der Ort keine eigenständige Hofschaft, sondern gehörte zum Rittersitz Dhünnburg, schreibt Marita Jendrischewski in einem ihrer Bücher über das Dhünntal. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Hälfte des Burggutes an Dr. Johann Cas- par Brass verkauft, wodurch der Ort seinen Namen erhielt: Doktorsdhünn.
 
Die historische Verkehrsverbindung, an der unser Aussichtpunkt liegt, kam auf ähnliche Weise zu ihrem Namen: 1906 ersteigerte Wilhelm Herzhoff aus Wipperfürth-Hollinden das herrschaftliche Anwesen in Doktorsdhünn. Mit dem Umzug von der südlichen, vornehmlich katholisch geprägten Seite der Dhünn, die hier bereits jahrhundertelang eine Konfessionsgrenze bildete, in den Norden des Flusslaufs lebte der Katholik Wilhelm Herzhoff mit seiner Familie nun in der Diaspora. Um den beschwerlichen Schulweg zur katholischen Schule im mehr als drei Kilometer entfernten Grunewald zu erleichtern, habe Vater Herzhoff den neben dem Haus bergauf führenden Trampelpfad verbreitert und den Höhenweg auf dem Bergrücken ausgebaut, so Marita Jendrischewski. Die später asphaltierte Gasse werde daher im Volksmund auch „Herzhoffsgasse“ genannt.

Anfahrt: Vom Wanderparkplatz Dahl oberhalb von Wermelskirchen-Kleinklev ist der Aussichtspunkt Herzhoffsgasse zu erreichen, wenn man der Straße einige Meter bergan und dann dem Talsperren- rundweg nach links folgt. Am nächsten Abzweig geht’s mit der Markierung „D2“ (insgesamt 9,7 km langer Rundweg) nach links. Nach etwa einem Kilometer liegt der Aussichtspunkt an der Kreuzung links.
Infos:www.wupperverband.de,
www.dasbergische.de/tour/d2-ueber-berg-und-tal

Diesen und weitere Texte finden Sie in der Broschüre "Bergische Orte" vom Naturpark Bergisches Land.

Kontakt

Wanderparkplatz Dahl
Großfrenkhausen 98
42929 Wermelskirchen

Zweckverband Naturpark Bergisches Land
Moltkestraße 26
51643 Gummersbach

Tel.: +49 22 61 / 9163100
E-Mail:
Webseite: www.naturparkbergischesland.de

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