© Gemeindearchiv Lindlar

Viadukt der Sülztalbahn

Wo die Dampfrösser schnauften

Viadukt der Sülztalbahn bei Lindlar-Linde

Leise surrt die Kette einer Fahrradfahrerin, die von Lindlar kommend das Sülztal überquert – in 17 Metern Höhe. So hoch nämlich ist das frühere Eisenbahnviadukt bei Lindlar-Linde, über das bis 1966 Züge von Hoffnungsthal über Immekeppel und Hommerich bis nach Lindlar verkehrten. Und dabei ganz schön schnauften. Denn die Bahn hatte von Hommerich im Sülztal bis zum Bahnhof Lindlar auf rund vier Kilometern einen stattlichen Höhenunterschied von 100 Metern zu überwinden. Das war auch der Grund, warum man die Trasse bei der Planung recht früh entlang der Hänge hatte ansteigen lassen. Weil man dabei hinter dem Bahnhof des Kirchdorfs Linde auf dem Höhenzug nördlich der Sülz die Talseite wechseln musste, um Lindlar auf den Höhen südlich des Sülztals anzusteuern, wurde eines der imposantesten Bahnbauwerke im südlichen Bergischen Land errichtet.

Am 2. Januar 1912 fuhr der erste Zug über das aus Bruchsteinen errichtete fünfbogige Eisenbahnviadukt von Köln nach Lindlar. Mit dem Bau der Strecke war bereits Mitte des 19. Jahrhundert begonnen worden – auch wenn die Planer damals noch ganz andere Ziele hatten. Ende 1868 war zunächst das erste Teilstück bis Bergisch Gladbach in Be- trieb genommen, die Strecke dann aber nicht wie ursprünglich geplant nach Wipperfürth, sondern nach Bensberg weitergebaut worden. 1890 folgte eine Fortführung ins Sülztal bis Hoffnungsthal, 1909 bis Immekeppel. Im Sülztal waren es die Bergbau- und metallverarbeitenden Betriebe,
in Lindlar die Steinbruchbesitzer am Berg Brungerst, die sich für den Bau der Eisenbahnlinie eingesetzt hatten, um damit ihre Güter zu transportieren. Auch Berufspendler nutzten die neue Eisenbahnverbindung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg liefen Last- wagen und Autos der Bahn zunehmend den Rang ab. Am 1. Oktober 1960 rollte der letzte Personenzug über das Eisenbahnviadukt bei Linde, am 22. Mai 1966 der letzte Güterzug. Der Wirtschaftsprüfer Hermann Haeck kaufte neben dem Linder Bahnhofsgebäude auch das Eisenbahnviadukt sowie fünf Kilometer Bahndamm samt Schienen, um darauf ein Eisenbahnmuseum einzurichten. Allein: Die Pläne änderten sich und das Eisenbahnmuseum wurde in Dieringhausen eingerichtet (s. S. 36 f.), sodass heute lediglich noch eine Dampflokomotive, Gleise und ein Radsatz auf dem Gelände des Linder Bahnhofs an die Museumspläne erinnern.
 
Die ehemalige Bahntrasse wurde ab 2010 zum Radweg ausgebaut. Über das Eisenbahnviadukt führt zudem der „Bergische Panoramasteig“, ein 240 Kilometer langer zertifizierter Fernwanderweg durch Rhein- Berg und Oberberg. Weder Wanderer noch Radler müssen auf der komfortablen Talquerung allerdings so schnaufen wie einst die Dampfrösser auf ihrem Weg nach Lindlar.

Anfahrt: Das Eisenbahnviadukt spannt sich über die Landstraße 284 bei Lindlar-Bruch. Parken kann man unweit des ehemaligen Linder Bahnhofs am Talweg oder der Straße „Am Bahnhof“ in 51789 Lindlar.
Infos:www.suelztalbahn-lindlar.de,
www.bergisches-wanderland.de/tour/bergischer-panoramasteig-etappe-2-lindlar-biesfeld

Diesen und weitere Texte finden Sie in der Broschüre "Bergische Orte" vom Naturpark Bergisches Land.

Kontakt

Viadukt der Sülztalbahn
Landstraße 284
51789 Lindlar - Lindlar-Bruch

Zweckverband Naturpark Bergisches Land
Moltkestraße 26
51643 Gummersbach

Tel.: +49 22 61 / 9163100
E-Mail:
Webseite: www.naturparkbergischesland.de

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