© Guido Wagner

Villa Ohl

Villa mit explosiver Geschichte

Bergisch-märkisches Pulvermuseum in Wipperfürth-Ohl

Hochexplosiv ist die Geschichte der schmucken Villa an der Sauerlandstraße 7 in Wipperfürth-Ohl. In dem mehr als 200 Jahre alten Gebäude, an dessen Fassade sogar der preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel mitgewirkt haben soll, lebten einst Familienangehörige der Fabrikanten Cramer & Buchholz. Sie stellten Schwarzpulver her und bestimmten damit das örtliche Wirtschaftsgeschehen so stark, dass man die Region auch „König- reich Buchholz“ nannte. Schwarzpulver- Produkte aus dem Bergischen waren im 19. Jahrhundert wegen ihrer hohen Qualität in der ganzen Welt gefragt. Neben Militärpulver stellte Cramer & Buchholz auch das geschätzte Jagdpulver „Diana“, ein rauch- freies Scheibenpulver etwa für Schützen- vereine, Sprengpulver für Steinbrüche, Knallplättchen sowie Leuchtfeuerkörper her.
 
Salpeter, Schwefel und Holzkohle des Faulbaums – daraus bestand das explosive Gemisch, das in wasserbetriebenen Pulvermühlen in der Umgebung fein zerstampft und vermischt wurde. Kein Wunder, dass die Produktionsstätten regelmäßig in die Luft flogen. Im Schnitt sei jedes der rund 50 Gebäude, die zur Pulverfabrikation gehörten, in 300 Betriebsjahren einmal in die Luft gegangen, erfährt man bei einer Führung durch die Villa, in der sich heute auch ein Museum befindet. In diesem informiert der Heimat- und Geschichtsverein Wipperfürth sowohl über die Geschichte der Schwarzpulverherstellung als auch über den Transport der explosiven Ware.

Um schwere Unfälle so gut es ging zu vermeiden, trafen die Pulvermüller eine Reihe von Vorkehrungen. So trugen die Meister und Gehilfen beispielsweise keine mit Nägeln beschlagenen Schuhe, da die Nägel auf dem Steinboden leicht hätten Funken schlagen können. Stattdessen war ihr Schuhwerk aus Holz. Zudem wurde das Pulver während des Stampfprozesses in der Pulvermühle regelmäßig angefeuchtet. Trotzdem kamen im Laufe der Zeit in den Pulvermühlen rund um Ohl und das benachbarte Rönsahl insgesamt 40 Menschen ums Leben.
 
Auch der Transport des Pulvers war gefährlich. Ein schwarzes Schild mit einem weißen „P“ signalisierte, dass ein Fuhrwerk Schwarzpulver geladen hatten. Häufig 
gingen Helfer voraus, die in den Dörfern die Menschen warnten, nur ja nicht mit offenem Feuer entlang des Fahrweges zu hantieren.

Die herrschaftliche Villa in Ohl wurde um 1810 von den Brüdern Gottlieb und Carl Theodor Cramer errichtet. Damals betrieb die Familie Cramer die Herstellung von Schwarzpulver bereits in der vierten Generation. Die Pulverfirma „Cramer & Buch- holz“ entstand 1826, als Gottlieb Cramer seinen Neffen Carl Friederich Buchholz zum Teilhaber machte. 1893 wurde das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt, 1912 der Firmensitz nach Hannover verlegt, 1918 an die Köln-Rottweil AG verkauft. Die Produktion in Ohl und Rönsahl wurde schließlich 1932 eingestellt.

Anfahrt: Parken kann man an der Sauer- landstraße unweit der Villa mit der Hausnummer 7 in Wipperfürth-Ohl. Über Öffnungszeiten des bergisch- märkischen Pulvermuseums (in der Regel sonntags von 14 bis 17 Uhr) und Führungen informiert der Heimat- und Geschichtsverein Wipperfürth jeweils aktuell im Internet.
Infos:www.pulvermuseum.info

Diesen und weitere Texte finden Sie in der Broschüre "Bergische Orte" vom Naturpark Bergisches Land.

Kontakt

Villa Ohl
Sauerlandstraße 7
51688 Wipperfürth

Zweckverband Naturpark Bergisches Land
Moltkestraße 26
51643 Gummersbach

Tel.: +49 22 61 / 9163100
E-Mail:
Webseite: www.naturparkbergischesland.de

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